PCT Medley

14. Juni 2019 Aus Von Susann

Saubere Kleider, strahlende Haut, frisch duftende Haare… ich bin zurück in der Zivilisation (für den Moment)!

Der Gestank

Noch nie in meinem Leben habe ich mich dreckiger gefühlt als in den letzten Tagen. Noch nie in meinem Leben habe ich mehr gestunken als in den letzten Tagen. Ich habe mich so unwohl gefühlt in meinem Körper, dass ich am liebsten vor mir selber weggerannt wäre. Als ich den PCT plante dachte ich an alle möglichen Herausforderungen: Bären, Schlangen, Pumas…aber nie daran, dass ich mich so vor mir selber ekeln würde! Jetzt wo die Temperaturen heisser sind und das Material schon über 30 Tage vollgeschwitzt wurde, lässt sich das nicht vermeiden. Man kann nichts tun…

Die Hitze

Die letzten Tage nach Tehachapi waren heiss. Ich habe gleichzeitig mit einer Hitzewelle den Rand der Mojavewüste erreicht. In dieser Region gibt es nur noch kleine Büsche die keinen Schatten spenden und der Untergrund ist sandig und schlägt die Hitze zurück. Wasser wird zur absoluten Mangelware. Der Mund fühlt sich immer trocken an und egal wieviel man trinkt, das Durstgefühl bleibt. Leicht kann eine überflüssige Bewegung den Körper überhitzen. Die Hitze zerrt an der Energie und die grosse Meilenzahl (ich bin bei täglichen 20+ Meilen angelangt) gibt dem Körper den Rest.

Das LA Aqueduct

Die berühmte Strecke durch die Ebene entlang dem LA Aqueduct und auf der anderen Seite den Berg hoch wandere ich in der Nacht (wie alle anderen auch). Bis es soweit ist schlagen wir die Zeit am Highway 138 im Cafe Neenach tot. Das Cafe lässt uns in einem leeren Raum herum hängen. Es ist heiss, mein Hirn hört auf zu denken und ich habe das Gefühl nicht mehr zu existieren. Abends um 7 laufen wir dann endlich los, hinein in den Sonnenuntergang. Wir marschieren auf dem Aqueduct und ich stelle mir vor wie das Wasser unter meinen Füssen nach LA fliesst und dort bei Arnold Schwarzenegger aus der Dusche läuft 😊 Wir laufen 10 Meilen in die Nacht hinein (total 30 Meilen an diesem Tag) und legen uns erschöpft mit unserem Mätteli und Schlafsack auf den Boden zum Schlafen (cowboy campen = ohne Zelt schlafen). In der Nacht höre ich Kojoten. Um 5 Uhr morgens bringen wir noch die restlichen Meilen bis zum nächsten Wasser und Schatten hinter uns. Der einzige Schatten ist eine kleine Brücke über einen Bach (der mysteriöserweise um 9 Uhr zu fliessen beginnt und abends wieder aufhört). Etwa 20 Hikers quetschen sich in den Schatten. Immer wieder müssen wir zügeln da der Schatten wandert. Es ist heiss, wir schlafen, schwitzen, stinken, essen, schlafen…12 Stunden lang!

Die Nachtwanderung

Wieder marschieren wir in den Sonnenuntergang. Ein angenehmer Wind bläst mir ins Gesicht. Vor mir liegen 15 Meilen und insgesamt ca. 1000 Höhenmeter. Die Landschaft wird gespenstisch im Dunkeln und Pflanzen und Büsche formen sich plötzlich zu seltsamen Wesen im Schein der Stirnlampe. Der Weg ist streckenweise schmal, rutschig und abschüssig. Es ist anstrengend, man muss sich jederzeit konzentrieren. Ein Schritt nach dem anderen, nicht denken…Als wir oben ankommen ist es fast ein Uhr nachts. Wir schmeissen uns so wie wir sind in den Schlafsack und ich schlafe wie ein Stein. Ein frischer Wind und unser Gesrank wecken mich. Nach vier Stunden Schlaf laufen wir steif und humpelnd wieder los. Die letzte Etappe bis Tehachapi. Ich denke nur an eins: duschen!

Nachtrag: nur damit kein falscher Eindruck entsteht…die letzten Tage waren anstrengend aber ich hatte auch viel Spass und es geht mir ausgezeichnet!